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> KIOSK für nützliches Wissen > Die Kioskarchitektur

Die Installation

> Wettbewerb > Stephen Craig > Quicktimemovie 50MB

"Das ist die erste Aufgabe der Erzählung. Sie eröffnet ein Theater zur Legitimierung tatsächlicher Handlungen. Sie schafft einen Bereich, der gewagte und zufällige gesellschaftliche Praktiken autorisiert."
Michel de Certeau.

Das Archiv verschwindet. Das Archiv als Speicher, als Magazin, als Bibliothek, als konkreter Ort, wird im Fluß digitaler Datenströme hinweggespült. Dieses Archiv hat sich vorübergehend in einen KIOSK geflüchtet - ein Kiosk im Moment seiner revolutionären Selbstbesinnung, mit gestalterischer Nüchternheit von den russischen Konstruktivisten in den 20er Jahren erdacht, in einem Moment, als die Kunst emphatisch dem Leben zugetan war. Kein Verkaufsstand für Informationen, sondern eine transportable Architektur für propagandistische Redner.


Entwurf des Kiosk von Stephen Craig

Der KIOSK für nützliches Wissen ist mobil, tarnt sich als Installation, und in ihm entsteht ein stetig wachsendes Archiv zum Thema "Erzählungen von Orten, Städten und Territorien". Es ist ein audiovisuelles Gesprächsarchiv: Spezialisten begegnen den Praktikern im Dialog, professionelles Wissen und Theorie treffen auf die Praxis des Alltags, Unveröffentlichtes und Erinnerungsreste. Die Dialogpartner legen Erzählschichten über die Faktenlage und beschreiben Routen durch ihr Wissen.
Jeder Dialog ist ein neuer Eintrag ins Archiv und wird öffentlich und live vorgeführt im Kino des KIOSK: zwei Leinwände, auf denen die Gesichter der Gesprächspartner aus einem verborgenen Raum übertragen werden, ein physiognomisches Theater im Blick und Gegenblick.

Der KIOSK tourt durch die Foyers, die man als Kunde, Patient oder Antragsteller durchqueren muß, oder steht an Orten in Zwischennutzung. Idealerweise sollte der KIOSK im Wartesaal des Arbeitsamtes, am Bahnhof oder in Einkaufpassagen aufgebaut werden und dort kurzfristig einen Schwarzmarkt der Erzählung in den kontrollierten Sicherheitszonen unseres öffentlichen Lebens ansiedeln.

KIOSK ist die mobile Forschungseinheit des Projektes ErsatzStadt und sammelt, dokumentiert und archiviert entlang dessen Thematik. Zwischen 2003 -2008 entstand an immer neuen Plätzen ein wachsendes Archiv verschiedener Dateien.


Ein Projekt von Hannah Hurtzig und Anselm Franke

KIOSK- Entwurf und Gestaltung: Stephen Craig

Produktionsleitung: Katharina von Wilcke

Audiovisuelle Konzeption: Produktion Eins/ cine plus

Bau: a-mano Schreinerei Karlsruhe

technische Koordination: Jochen Massar