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Erzählungen von Orten, Städten und Territorien

Formate der Öffentlichkeit
Installationsprojekte von Tulip House

Das Ignorieren der Wahrheit der Praxis als gelehrte Ignoranz liegt unzähligen theoretischen Irrtümern zugrunde. (Pierre Bourdieu)

Ein öffentlicher Raum entsteht in der Begegnung der erzählten Geschichte mit dem Reichtum an Erfahrung (A. Kluge). Die Installationen von Tulip House beschäftigen sich mit der Konstruktion von öffentlichen Räumen, in denen erzählerische Formate der Wissensvermittlung und -Verhandlung erprobt werden.

Diese Räume lassen professionelles Wissen und theoretische Diskurse auf die Praxis des Alltags, des Berufs und des individuellen Erzählens treffen: es entsteht eine öffentliche Geographie innerhalb derer Wissens- und Informationsvermittlung als Anschauung und im Prozess der Verhandlung zum Ausdruck kommt.

Die Gesprächs- und Versammlungsräume von Tulip House arbeiten im Genre der Erzählung, die als personalisierter, intimer Dialog stattfindet, im Gegensatz zu den bekannten Formaten der Rede, des Vortrags oder der Podiumsdiskussion, die immer ein anonymes Publikum adressieren. In der Erzählung wird berichtet, verfälscht, beschworen, gelogen - eine öffentliche Konstruktion von Inhalten, performt durch den subjektiven Inszenierungswillen eines Einzelnen: Die Erzählform schafft eine Balance zwischen individuellem und kollektivem Erleben.

Die Gespräche finden zwischen zwei "Experten" in vom Publikum abgetrennten Räumen statt und werden medial (Bild und Ton) übertragen. Die eingeladenen ErzählerInnen und SprecherInnen in diesen Installationen sind alle Spezialisten ihres Gebietes, speziell jedoch Praktiker des jeweiligen Themas, die sich in ihrem Beruf konkret mit gesellschaftlichen Defiziten auseinandersetzen.

In diesem Format wird die Verhandlung eines Themas auf die Person und deren Alltagspraxis zurückgeführt. Das Publikum wird zum Voyeur und Zeugen eines sich entwickelnden Dialogs, einer Erzählung, die sich zwischen Interview, Fachgespräch, Beichte, Verhör oder analytischer Sitzung ansiedelt.

Die Informations- und Versammlungsorte von Tulip House werden sowohl live wie auch mit medial aufgezeichnetem Material bespielt, der elektronische Medienspeicher (das Archiv) korrespondieren mit dem "Schauspiel".