<< zurück zur Übersicht


> KIOSK für nützliches Wissen

Erzählungen von Orten, Städten und Territorien
Raumkontrolle 2:
USA und Perimetrisches Wörterbuch Berlin

Ein Perimetrisches Wörterbuch zur Berliner Raumkontrolle
Ausstellung des Archivs Raumkontrolle I




Amie Siegel/ Patty Miranda
Berlin, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 29. 06.03, Foto Thomas Aurin


So 29. Juni 2003, 19.30 Uhr
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Sternfoyer

Von 2.-7. Juni war die ErsatzStadt on tour mit dem KIOSK in der Villa Elisabeth und gleichzeitig mit dem UKW-Programm ERSATZRADIO auf der Frequenz 104,1. Die entstandenen Archive wurden am 29. Juni in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz präsentiert: das audiovisuelle Archiv des KIOSK für nützliches Wissen mit sieben Gesprächen zur Raumkontrolle, u. a. über das Verhältnis von Orten zu Identitäten im permanenten Kriegszustand; über urbane Mythen in Israel und den Niederlanden; über Verbrechen, die kartografisch oder architektonisch am Zeichentisch begangen werden; und über Architekturen der Gewalt in Johannisburg und Ost-Jerusalem.

Die bestehende audiovisuelle Archivsammlung wurde durch das Perimetrische Wörterbuch erweitert, der Fokus "Raumkontrolle und Überwachung" richtet sich in sechs Gesprächen nun auf den Berliner Raum. Gäste aus Berlin, die in unterschiedlichen Feldern Raumkontrolle ausüben, Raumkontrolle reflektieren oder den Bedingungen von kontrollierten Räumen ausgesetzt sind erzählten.

 


Mehmet Bayram - Amie Siegel


Patty Miranda - Amie Siegel

Perimetrisches Wörterbuch zur Berliner Raumkontrolle, 1. Teil:
Mehmet Bayram (Architekt): Die Hinterhof-Moscheen
Regina Kiepert (Geographin und Buchhändlerin): Kartografie seit 1742 - die Schroppsche Landkarten Anstalt, Berlin
Patty Miranda (Raumpflegerin): Pflege und Durchsicht des Privatraumes
Tobias Schwarz (Sozialpädagoge): Hochsicherheitsmaßnahmen in der Abschiebehaft
Percy MacLean (Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht): Paragraphen außer Kontrolle
Norbert Pütter (Politologe): Private Sicherheitsdienste
Leserin des Wörterbuches: Amie Siegel, Autorin, Filmemacherin, New York (arbeitet an einem Film über Berlin)

Der totale Raum: The USA Patriot Act
Audiovisuelle Präsentationen und Vorträge zur Militarisierung des Raumes
So 29. Juni, 19.30 Uhr
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz / Neustadt

Der sogenannte USA Patriot Act ist ein in direkter Reaktion auf die Anschläge entstandenes Gesetz zur Terrorbekämpfung, das im Oktober 2001 vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde. Es sieht weitreichende Erweiterungen der Kompetenzen von Ermittlern und Geheimdiensten und tiefgreifende Einschnitte in die bürgerlichen Freiheiten, insbesondere im Bereich des Datenschutzes und des Schutzes von Minderheiten vor. Der Patriot Act stellt die Grundlage einer umfassenden Militarisierung des öffentlichen Raums dar, die die Effekte des seit Jahren anhaltenden Sicherheitsdiskurses und seiner städtebaulichen Resultate (wie etwa der Gated Communities) potenziert. Der globale "War On Terrorism" führt zu einer paranoiden Situation, einem "optimalen Grad an Angst", der für die Rechtfertigung autoritärer Strukturen und einer massenkulturellen Rehabilitierung des Militärischen eingesetzt wird.

Fiona Doherty vom Lawyers Commitee for Human Rights, New York gab einen Lagebericht aus juristischer Perspektive über die innenpolitischen und globalen Auswirkungen des Patriot Act der Vereinigten Staaten. Der britische Journalist und Sicherheitsexperte Duncan Campbell sprach, ebenfalls ausgehend von der Lage in den USA, über die globale Überwachung und Militarisierung aus technologischer Perspektive.


Natalie Jeremijenko, Mitglied
des Bureau of Inverse Technology

Kate Rich vom Bureau of Inverse Technology (BIT) stellte das jüngste Projekt der Künstler- und Technologieagentur vor, genannt Anti_Terror_Line, das eine technologische Plattform des Widerstands gegen die Gesetzgebung des Patriot Act und die erweiterten geheimdienstlichen Kompetenzen entwickelt.

Tom Holert , mit Mark Terkessidis Co-Autor des vieldiskutierten Buches "Entsichert: Krieg als Massenkultur", sprach über das "Subjekt der Krise". Seine Präsentation untersucht die vielschichtigen Verhältnisse zwischen Militarisierung des öffentlichen Lebens, Innerer Sicherheit und neoliberalem Unternehmersubjekt.

Das Programm wurde abgeschlossen mit einer Präsentation der Design-Ingenieurin und High-Tech Künstlerin Natalie Jeremijenko aus New York (u.a. Mitglied des Bureau of Inverse Technology) über ihre jüngsten Projekte zu "intelligenten Systemen" und zu City-Airports als Vision eines zukünftigen totalen Kontrollraums, in dem sich der "Non-Place" der Utopie und der "All-Place" der totalen Überwachung vereinigen.

Die Vorträge/Präsentationen dauern 20-30 Minuten.
Für die englischsprachigen Vorträge wurde eine Simultanübersetzung ins Deutsche angeboten.