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Formate konstruierter Öffentlichkeit.
Die Installationsprojekte von Tulip House


Ein öffentlicher Raum entsteht in der Begegnung der erzählten Geschichte
mit dem Reichtum an Erfahrung,
Alexander Kluge

Die Installationen von Tulip House beschäftigen sich mit der Konstruktion von öffentlichen Räumen, in denen erzählerische Formate der Wissensvermittlung und -Verhandlung erprobt werden. Diese Räume lassen professionelles Wissen und theoretische Diskurse auf die Praxis des Alltags, des Berufs und des individuellen Erzählens treffen: es entsteht eine öffentliche Geographie innerhalb derer Wissens- und Informationsvermittlung als Anschauung und im Prozess der Verhandlung zum Ausdruck kommt.
Die Gesprächs- und Versammlungsräume von Tulip House arbeiten im Genre der Erzählung, die als personalisierter, intimer Dialog stattfindet, im Gegensatz zu den bekannten Formaten der Rede, des Vortrags oder der Podiumsdiskussion, die immer ein anonymes Publikum adressieren. In der Erzählung wird berichtet, verfälscht, beschworen, gelogen - eine öffentliche Konstruktion von Inhalten, performt durch den subjektiven Inszenierungswillen eines Einzelnen: Die Erzählform schafft eine Balance zwischen individuellem und kollektivem Erleben.
Kernstück der Installationen von Tulip House ist ein Dialograum, in dem Gespräche zwischen zwei ausgewählten Partnern stattfinden. Diese Dialoge finden in vom Publikum abgetrennten Räumen statt und werden medial (Bild und Ton) übertragen. Das Publikum wird zum Voyeur und Zeugen eines sich entwickelnden Dialogs, einer Erzählung, die sich zwischen Interview, Fachgespräch, Beichte, Verhör oder analytischer Sitzung ansiedelt. Dabei werden überkommene rhetorische Gesten der Repräsentation umgangen und die Qualitäten einer Volkshochschule, der privaten Unterhaltung, Beratung und Dienstleistung mit denen einer erlebten Öffentlichkeit verbunden: eine Tauschbörse, ein öffentlicher Schwarzmarkt notwendigen Wissens.

Varianten dieses Installationstypus u.a.:
- Filiale für Erinnerung auf Zeit, 2000, Hamburger Kammerspiele
- Information Retrieval, 2001, British Museum London, LIFT Festival
- Dienstleistungen an Unerwünschten, 2002 Berlin, Volksbühne am Rosa- Luxemburg- Platz

Im KIOSK wird ein audiovisuelles Archiv angelegt zum Thema:
Erzählungen von Orten, Städten und Territorien.

ARCHIV I
Raumkontrolle
Ein- bis zweistündige Dialoge von Experten. Professionelles Wissen und theoretische Diskurse treffen auf die Praxis des Alltags und des individuellen Erzählens.

ARCHIV II
Ein Leben in vier Stunden
Eine Versuchsanordnung zur Erinnerung an die Stadt. Live präsentierte autobiografische Romane von Zeitgenossen im Vier -Stunden-Format.